Pionier in der Krise: Stellenabbau bei Storz & Bickel
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Bereits im März 2025 wurden die ersten Mitarbeiter:innen entlassen, weitere folgten im Dezember. Der Redaktion der Lokalzeitung, die ursprünglich zu dem Thema berichtete, sollen Informationen vorliegen, wonach die Kündigungen für die Betroffenen teils überraschend passierten. Gegenüber der Zeitung bestätigte Jürgen Bickel, geschäftsführender Gesellschafter bei S&B, eine Kündigungswelle im Frühjahr, die elf Personen betraf. Wie viele von der zweiten Welle Ende 2025 betroffen sind, bleibt weiterhin unklar.
Gründe für Entlassungen bei Storz & Bickel
Eine verhaltene Marktsituation in den USA, gestiegene Zölle auf US-Importe und eine angespannte wirtschaftliche Lage beim kanadischen Mutterkonzern Canopy Growth Corporation sind laut Bickel die Gründe für den Personalabbau bei Storz & Bickel. So sei die Nachfrage auf dem US-Markt derzeit geringer als erwartet und hinzu kommen gestiegene Importpreise von 50 Prozent, die auf Aluminium und Stahlerzeugnisse von den Vereinigten Staaten verhängt wurden. Diese betreffen auch den Pionier aus Tuttlingen.
Im Jahr 2018 wurde S&B für rund 145 Millionen Euro vollständig von der kanadischen Canopy Growth Corporation aufgekauft, die sich neben Produktion und Verkauf von medizinischem Cannabis auch mit der Forschung und Entwicklung beschäftigt. Doch auch beim Mutterkonzern ist die Lage schon länger nicht mehr rosig. Hatte die Canopy-Aktie 2019 noch einen Kurs von 450 Dollar, liegt dieser mittlerweile bei einem Wert von knapp einem Dollar. Die Folge sind Restrukturierungen und massive Kosteneinsparungen, bei denen auch der deutsche Vape-Hersteller genauer unter die Lupe genommen wird. Zwar hat Jürgen Bickel es nicht bestätigt, aber aus unternehmensnahen Kreisen heißt es, dass S&B weiterhin schwarze Zahlen schreibt.

In der Stellungnahme zum Stellenabbau spricht Bickel nur vom US-Geschäft, das derzeit unter einer zurückgehenden Nachfrage leidet. Schaut man jedoch auch auf den deutschen Markt, lässt sich vermuten, dass auch hierzulande das Geschäft leidet und dafür gibt es auch mehrere Indizien. Zum einen gibt es hierzulande mehrere Hersteller von Vaporizern für Cannabis, wie Hizen oder Norddampf, die ihre Produkte bereits zu einem Bruchteil des Preises der Vaporizer von Storz & Bickel anbieten. Dabei sind die Vapes von S&B in ihrer Dampfqualität weiterhin unübertroffen, doch ist die Leistung anderer Hersteller für die Endverbraucher:innen meist ausreichend. Dafür, dass andere Vaporizer bei der Dampfleistung Abstriche machen, ist ihre Bedienung und der Komfort häufig genauso gut, wie es bei einem VENTY oder MIGHTY+ der Fall ist.
→Der Vorteil von Vapes gegenüber Joints
Um auch ein günstigeres Gerät anbieten zu können, hat S&B zuletzt den VEAZY herausgebracht, eine abgespeckte Version des aktuellen Flaggschiff-Modells unter den tragbaren Vapes, dem VENTY. In unserem Produkttest hielten wir fest, dass der VEAZY zwar qualitativ hervorragenden Dampf produziert, jedoch aus unserer Sicht in der Entwicklung am falschen Ende gespart wurde. Denn die Bedienung des Verdampfers ohne ein Display hinkt hinter der Konkurrenz. Mit nur drei Heizstufen ist auch die Flexibilität in der Nutzung eingeschränkt. Zwar kann man die Temperatur des VEAZY auf den Grad genau steuern, doch braucht es hierfür die WebApp. Mit einem regulären Preis von 248 Euro im offiziellen Store und 220 Euro bei Amazon, ist der Vaporizer immer noch teurer als ein Großteil der Konkurrenz, was die Vorstellung schwer macht, dass dieses Produkt S&B dabei helfen wird, die Umsätze wieder zu steigern.
So geht es für S&B weiter
Wie viele von den zwischenzeitlich bis zu 170 Mitarbeiter:innen noch im Unternehmen sind, ist nicht bekannt. Dass S&B in nächster Zeit vom Markt verschwinden wird, ist jedoch fraglich. Das Unternehmen bedient weltweit über 50 Märkte und steht damit auf mehreren Standbeinen. Das sorgt zwar für eine gewisse Standhaftigkeit während einer Krise, trotzdem ist ein so großer Markt wie der US-Markt wichtig, um insgesamt wirtschaftlich zu arbeiten.
Daher liegt hier derzeit auch die Hoffnung auf eine Anordnung des US-Präsidenten, Donald Trump, Marihuana in eine niedrigere Drogenkategorie einzustufen. Neben einer Anerkennung von Cannabis als Substanz mit anerkannter medizinischer Nutzbarkeit und geringem Missbrauchsrisiko auf Bundesebene und einer vereinfachten Forschung, wären bestimmte steuerliche Vorteile für Cannabis-Unternehmen möglich. Das könnte den Markt wieder wachsen lassen und zu einer höheren Nachfrage führen, von der S&B profitieren würde. Ob und wann das passiert, ist allerdings schwer absehbar - besonders mit einem Präsidenten, der für seine wechselhaften Launen bekannt ist.





