Zunahme von Diebstählen auf Apotheken

Aktualisiert am
Veröffentlicht am
19.7.2026
Von
Philip Pranoto
Lesezeit:
2
Min.
Was für viele Patient:innen ein Segen ist, wird auch für Kriminelle zunehmend attraktiv: Apotheken, die medizinisches Cannabis auf Rezept verkaufen. Mit der Teillegalisierung ist in Deutschland ein regelrechter Boom rund um medizinisches Cannabis entstanden, wovon auch zahlreiche Apotheken reichlich profitieren. Doch mit dem wachsenden Warenwert in den Lagern häufen sich zuletzt auch die Einbrüche.
Diebesbande überfällt Cannabis Apotheke

Trotz Sicherheitsmaßnahmen gelingen Diebstähle

Für viele Konsument:innen bedeutet der Gang in die Apotheke eine klare Verbesserung gegenüber dem Kauf beim Dealer. Statt gestrecktem oder mit Pestiziden belastetem Gras gibt es dort kontrolliertes, laborgeprüftes Cannabis auf Rezept. Genau dieser Erfolg hat allerdings eine Kehrseite: Wo hochwertige Ware in größeren Mengen lagert, wird es für Opportunisten interessant. Und die Zahl der Vorfälle nimmt zu.

Das Geschäft mit dem Cannabis aus Apotheke boomt

Ein Beispiel dafür ereignete sich Anfang Juni in einer Apotheke an der Münchner Freiheit. Am Wochenende zwischen dem 6. und 8. Juni, als der Betrieb geschlossen war, bohrten die Täter ein Loch in einen Fensterrahmen und verschafften sich so Zugang. Erbeutet wurde Cannabis im Wert von 75.000 Euro. Der Inhaber der Apotheke berichtet, dass die Versicherung den Schaden glücklicherweise übernommen hat. Als Konsequenz wird das Cannabis dort inzwischen in einem gesicherten Schrank aufbewahrt.

Wie wichtig zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen sind, zeigt ein weiterer Fall aus Dinkelsbühl in Mittelfranken. Anfang Juli verschafften sich Diebe dort über ein erhöhtes Außenfenster Zugang zum Lager einer Apotheke und stahlen medizinisches Cannabis im mittleren fünfstelligen Bereich. Dabei war das Warenlager durchaus gesichert, mit Bewegungsmelder und gesicherten Türen. Trotzdem gelang der Einbruch, allerdings löste er den Alarm aus. Der Apotheker war laut eigener Aussage bereits fünf Minuten später vor Ort, die Täter waren zu diesem Zeitpunkt allerdings schon verschwunden. Ein Teil der Beute wurde jedoch zurückgelassen, vermutlich, weil der Alarm die Diebe aufgeschreckt hat. So konnte zumindest ein größerer Schaden verhindert werden.

Auch in Frankfurt am Main gab es einen vergleichbaren Fall: Dort erbeuteten Diebe Cannabis im Wert von bis zu 50.000 Euro aus einem Apothekenlager.

Versicherer bestätigen den Trend

Dass die Häufung kein Einzeleindruck einzelner Apotheker:innen ist, bestätigen auch die Versicherer. So äußerte sich bereits ein Mitarbeiter der Versicherung Helvetia dahingehend, dass die Schadensfälle in diesem Bereich zuletzt zugenommen haben.

Solange der Schwarzmarkt floriert, bleibt das Problem bestehen

Vieles deutet darauf hin, dass sich dieser Trend fortsetzen wird, solange der Schwarzmarkt für Cannabis nicht vollständig austrocknet. Hier ist auch die Politik gefragt: Mit lizenzierten Fachgeschäften, die eigentlich als zweite Säule des Cannabisgesetzes vorgesehen waren, ließe sich der legale Zugang zu Cannabis erheblich vereinfachen und der Gang zum Dealer für viele Konsument:innen unattraktiver machen. Bislang wurde dieser Teil des Gesetzes jedoch nicht umgesetzt, obwohl ursprünglich anderes geplant war. Bis sich daran etwas ändert, dürften Apotheken mit Cannabis im Sortiment ein lohnendes Ziel für Kriminelle bleiben – und sind gut beraten, ihre Lagerung entsprechend abzusichern.