Highlights von der größten Hanfmesse der Welt

Aktualisiert am
Veröffentlicht am
12.6.2026
Von
Philip Pranoto
Lesezeit:
3
Min.
Zehn Jahre Mary Jane Berlin – und das Jubiläum setzt Maßstäbe. Mit knapp 75.000 Besucher:innen, einer zusätzlichen Halle, mehr als 500 Ausstellern aus aller Welt und einem eigenen Fachbesuchertag war die diesjährige Ausgabe nicht nur die bislang größte, sondern auch die ambitionierteste. Auch wir waren vor Ort – und haben uns von der Stimmung mitreißen lassen.
Mary Jane 2026 Haupteingang

Vom kleinen Community-Treffen zum internationalen Treffpunkt

Was 2016 als überschaubares Kifferfestival mit rund 8.000 Besucher:innen und 90 Ausstellern startete, ist heute Europas wichtigste Cannabis-Veranstaltung. 2026 belegte die Mary Jane erstmals 87.000 Quadratmeter auf dem Gelände der Messe Berlin unter dem Funkturm. Dieses Jahr kam nochmal eine neue Halle hinzu und erstmals öffnete die Messe am Donnerstag mit einem reinen Fachbesuchertag. Ein klares Signal: Die Branche ist erwachsen geworden und die Mary Jane möchte auch dafür ein Ort sein, wo man sich zum Netzwerken treffen kann.

Auch wir haben uns die Hanfmesse bereits zum Fachbesuchertag angeschaut. Bei deutlich weniger Trubel trafen sich Vertreter:innen von Unternehmen, Anbauvereine und Presse. Dabei scheint der Fachbesuchertag bei den Menschen gut anzukommen. Die Möglichkeit neue Kontakte zu knüpfen ist verständlicherweise einfacher, wenn dabei nicht noch tausende andere Menschen im Raum sind, die sich noch etwas erklären lassen oder kaufen möchten. Dafür gibt es dann drei weitere Tage und es scheint auch so zu sein, dass vereinzelte Aussteller sich auch nur auf diese fokussieren. Wir konnten beobachten, dass es vereinzelt noch Stände gab, die sich erst im Aufbau befanden. Am Gesamtbild der Messe hat das aber keine Auswirkung gehabt.

Cannabis-Trends 2026 zeigen sich auf der Mary Jane

Eine Messe von der Größe der Mary Jane ist immer auch ein guter Gradmesser dafür, welche Themen die Community gerade bewegen. Ein Blick auf die Ausstellungsfläche reicht dabei meist schon aus, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo der Wind gerade hinweht.

Wie in den Jahren zuvor war das Thema Anbau prominent vertreten. Was dabei auffällt: Der Trend geht zunehmend in Richtung zentral gesteuerter Systeme, die es ermöglichen, alle Komponenten einer Growbox über ein einziges Gerät im Blick zu behalten und zu steuern. Ein Beispiel dafür ist das Genius Growing System von Spider Farmer, kurz GGS, das genau das verspricht. Ähnliche Ansätze verfolgen auch Mars Hydro und AC Infinity. Für alle, die ihren Grow möglichst effizient und unkompliziert gestalten wollen, ist das eine Entwicklung, die sich lohnt, im Auge zu behalten.

Besonders ins Auge gefallen ist uns in diesem Jahr die schiere Anzahl an Herstellern von Verdampfern, die auf der Mary Jane vertreten waren. Gefühlt werden es von Jahr zu Jahr mehr – und das ist kein Zufall. Auffällig war dabei, dass sich auch vermehrt Hersteller aus den USA auf der Messe zeigten, die offensichtlich den deutschen Markt verstärkt im Visier haben. In Gesprächen mit einigen von ihnen wurde deutlich, warum: Deutschland gewinnt für sie als Markt zunehmend an Bedeutung – nicht nur für sich allein, sondern auch als Einstiegspunkt in den europäischen Markt. Eine große und aktive Cannabis-Community vor Ort macht den Standort attraktiv.

Eindrücke von Mary Jane 2026. Bildquelle: Krautvergleich

Anbieter von medizinischem Cannabis waren zwar ebenfalls vertreten, darunter beispielsweise Dr. Ansay und Medcanonestop, doch hatte man in diesem Jahr das Gefühl, dass sie insgesamt etwas weniger präsent waren als in den Vorjahren. Die Gründe dafür dürften nicht schwer zu erraten sein. Die aktuelle Bundesregierung hat angekündigt, das Geschäftsmodell rund um medizinisches Cannabis weiter regulieren zu wollen, was für die Anbieter in diesem Bereich eine erhebliche Unsicherheit mit sich bringt. Dass sich das auch auf die Präsenz bei einer Messe wie der Mary Jane auswirkt, ist nachvollziehbar.

Josh Kesselman live auf der Studio Stage

Einen Legende der Cannabisszene ließ es sich nehmen, zum Jubiläum der Mary Jane selbst einmal vorbeizuschauen. Nämlich Josh Kesselman, Gründer von Raw Papers. Dieser war zwar nur am Fachbesuchertag da, doch kann ihn jeder auch im Nachgang nochmal sehen, denn er auf der Hanfmesse im Rahmen einer sonder Live-Podcast-Folge über seinen Weg vom kleinen Headshop – in dem er zeitweise auch selbst schlief – zu einem milliardenschweren Unternehmen. Das Gespräch führte Duc Anh Dang, Mitgründer der Mary Jane Berlin. Mehr zu Kesselmans Geschichte und seinen Gedanken zur deutschen Cannabisindustrie haben wir nochmal genauer in diesem Artikel festgehalten.

Sicherheitsvorfall in der Nacht

Dass bei einer so gewachsenen Veranstaltung nicht alles reibungslos läuft, zeigt ein Vorfall, den uns mehrere Aussteller berichteten: In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag sollen sich Unbefugte Zutritt zu den Messehallen verschafft und Waren gestohlen haben. Öffentlich kommuniziert wurde der Vorfall bislang nicht – was für die Betroffenen unbefriedigend ist. Wir hoffen, dass Messeveranstalter und Aussteller gemeinsam eine faire Lösung finden. Für eine Veranstaltung auf dem Niveau der Messe Berlin müssen die Sicherheitsstandards entsprechend mitwachsen.

Unser Resümee für die Mary Jane 2026

Unterm Strich bleibt die Mary Jane das, was sie seit Jahren ist: ein Pflichttermin für alle, die Cannabis in irgendeiner Form in ihrem Leben haben. Egal ob man sich über die neuesten Produkte informieren, gezielt einkaufen oder einfach nur in eine Gemeinschaft eintauchen möchte, die die eigene Leidenschaft teilt – hier findet man es. Das einzige, was aus rechtlichen Gründen nach wie vor fehlt, ist der freie Verkauf von THC-Gras. Aber auch das wird sich hoffentlich irgendwann ändern.

Was man der Messe und ihren Veranstaltern nicht absprechen kann: Die Mary Jane wächst von Jahr zu Jahr – nicht nur in ihrer Größe, sondern auch in ihrer Organisation. Nicht immer läuft alles reibungslos, und das wäre bei einer Veranstaltung dieser Dimension auch vermessen zu erwarten. Doch der Wille, den Besucherinnen und Besuchern jedes Jahr ein besseres und unvergesslicheres Erlebnis zu bieten, ist spürbar. Und genau das ist es, was die Mary Jane zu mehr macht als nur eine Messe.

Solltet ihr die Mary Jane in Berlin verpasst haben, ist das kein Problem. Entweder versucht ihr im nächsten Jahr dabei zu sein, oder ihr probiert nochmal eine der anderen Hanfmessen hier in Deutschland aus. Eine Übersicht der Messen findet ihr hier.