RAW Papers-Gründer Josh Kesselman: Deutsche Cannabisindustrie muss klein bleiben

Aktualisiert am
Veröffentlicht am
11.6.2026
Von
Philip Pranoto
Lesezeit:
3
Min.
Seit heute haben die Türen der größten Hanfmesse der Welt ihre Pforten geöffnet. Der Donnerstag gehört dabei zunächst den Fachbesuchern, bevor die Mary Jane ab morgen auch für alle zugänglich wird. Neben zahlreichen Ausstellern aus den Bereichen Grow, Vapes, Seeds und medizinischem Cannabis gibt es auch in diesem Jahr wieder ein buntes Programm aus Vorträgen und Talks. Den Auftakt machte dabei gleich einer der bekanntesten Köpfe der weltweiten Cannabisbranche.
RAW Papers Logo und Josh Kesselman auf der Mary Jane 2026 in Berlin

Josh Kesselman zu Gast beim Mary Jane Podcast

Josh Kesselman, Gründer von RAW Papers, war bereits am ersten Tag der Messe vor Ort, um eine Live-Folge des Podcasts der Mary Jane aufzunehmen. Im Gespräch mit Duc Anh Dang, Gründer der Mary Jane, sprach Kesselman über Cannabis, die Branche dahinter und die Frage, wie es in Zukunft weitergehen sollte – in Deutschland und weltweit.

Wer RAW nicht kennt: Die Rollblättchen der Marke sind in der Cannabiscommunity rund um den Globus eine feste Größe. Das charakteristische Logo von RAW ist mittlerweile so ikonisch geworden, dass es selbst Menschen ohne direkten Bezug zu Cannabis schon einmal gesehen haben dürften. Kesselman hat mit RAW Papers die ersten ungebleichten Blättchen auf den Markt gebracht, die vollständig frei von Chemikalien sind – ein echter Meilenstein für die Branche, der bis heute nachwirkt.

Finger weg von großen Investoren

Ein zentrales Thema des Gesprächs war die Frage nach dem Einfluss von Kapital auf die Cannabisbranche – und Kesselman machte dabei keinen Hehl aus seiner Meinung. Für ihn sollte die Industrie unabhängig vom Einfluss branchenfremder Geldgeber bleiben. Investoren, die lediglich auf schnelle Renditen aus sind und keinen echten Bezug zur Pflanze haben, sieht er als Gefahr für die Authentizität der gesamten Szene.

Seine Beobachtung stützt er auf die Entwicklungen im US-amerikanischen Markt, den er aus erster Hand kennt. Mit der fortschreitenden Legalisierung von Cannabis rückt das Thema immer weiter ins Zentrum der Gesellschaft – und das zieht Investoren an. Was auf den ersten Blick wie eine Chance aussieht, birgt für Kesselman das Risiko, dass die Branche und letztlich das eigentliche Produkt ihren Charakter verlieren. In seinen Augen sollten in der Cannabisindustrie nur Menschen arbeiten, die wirklich eine Leidenschaft für die Pflanze mitbringen und sich auch tatsächlich mit ihr auseinandersetzen.

Eine halbe Milliarde Dollar abgelehnt

Was wie eine Überzeugung klingt, ist bei Kesselman auch gelebte Praxis. Er berichtet, dass er selbst ein Angebot über eine halbe Milliarde Dollar abgelehnt hat. In seinen eigenen Worten: Er wollte seine Seele nicht verkaufen. So verlockend das Angebot auch war – im Nachhinein ist er froh, es nicht angenommen zu haben. Denn er kann von seiner Leidenschaft für Rollblättchen gut leben, ist erfolgreich und vor allem unabhängig. Eine Aussage, die in der heutigen Geschäftswelt nicht selbstverständlich ist und deshalb umso mehr Gewicht hat.

RAW Papers Gründer, Josh Kesselman, auf der Mary Jane 2026 in Berlin. Bildquelle: Krautvergleich

Warnung und Ermutigung für die deutsche Branche

Die Entwicklung rund um Cannabis in Deutschland verfolgt Kesselman mit großer Freude. Er räumt ein, dass nicht alles perfekt sei, doch sieht er den bisherigen Weg zur Entkriminalisierung als klaren Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig gibt er der deutschen Branche warnende Worte mit auf den Weg. Er erwartet eine ähnliche Entwicklung wie in den USA: Je mehr Cannabis in der Mitte der Gesellschaft ankommt, desto lauter werden die Angebote von "Big Corporate" – verlockend, aber in seinen Augen langfristig nicht zielführend, wenn der Charakter der Community erhalten bleiben soll.

Deutschen Entrepreneuren sagt er, dass sie immer etwas entwickeln sollten, was sie auch selbst nutzen würden und dabei keine Einsparungen auf Kosten von Qualität und Mehrwert tun sollten. Nur so wird man in seinen Augen erfolgreich. Kesselman sagt auch, dass auf dieser Welt genug Anzugträger in großen Meetingräumen sitzen und über zahlreiche Branchen bestimmen. Für ihn sei es wichtig, dass Cannabis aus diesen Räumen weiter fernbleibt.

Sein Rat ist daher denkbar einfach: Klein bleiben. Und er verspricht dabei, dass dies trotzdem zum Erfolg führen wird. Vielleicht dauere es länger, doch dafür profitieren am Ende alle davon.

Der Gedanke hat in Deutschland übrigens eine besondere Resonanz. Der deutsche Mittelstand ist international seit Jahrzehnten ein Aushängeschild der Wirtschaft und hat das Land zur viertgrößten Volkswirtschaft der Welt gemacht. Dass ausgerechnet ein amerikanischer Unternehmer dieses Prinzip auf die hiesige Cannabisbranche überträgt, ist vielleicht der treffendste Rat, den die Szene gerade bekommen konnte.

In unserer Messeübersicht findest du weitere Hanfmessen in ganz Deutschland, die 2026 noch stattfinden werden