Insolvenz für Hempamed, Plantoplus und Co.

Synbiotic zieht die Reißleine
Synbiotic ist eine Unternehmensgruppe, die sich auf die Produktion und den Vertrieb von medizinischem Cannabis, Industriehanf und CBD spezialisiert ist. Die Gruppe investiert in unterschiedliche Cannabis-Unternehmen in Europa. Zu den Firmen, die im Portfolio von Synbiotic sind, gehören unter anderem Solidmind und Lean Labs Pharma, deren Geschäftsführungen nun angekündigt haben, jeweils einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das Vermögen ihrer Gesellschaft zu stellen. Die Anträge sollen beim Amtsgericht Münster eingereicht werden. Für beide Unternehmen bedeutet das aller Voraussicht nach das Ende, sofern sich im Insolvenzverfahren keine überraschende Wendung ergibt.
Solidmind war für den Vertrieb der Marke Hempamed und Plantoplus verantwortlich, während Lean Labs Pharma als vorgeschaltete Entwicklungssparte fungierte. Beide Firmen waren damit eng mit dem CBD- und Hanfgeschäft von Synbiotic verzahnt, das neben dem medizinischen Cannabis einen wichtigen Teil des Konzernumsatzes ausmacht.
Umsatzrückgänge und rechtliche Unsicherheit als Grund
Laut Synbiotic sind die beabsichtigten Antragstellungen vor allem auf teilweise erhebliche Umsatzrückgänge im Geschäft mit CBD- und Hanfprodukten zurückzuführen. Hinzu komme die anhaltende rechtliche Unsicherheit rund um diese Produktkategorien, die in der Folge zu einer angespannten Liquiditätslage bei Solidmind und Lean Labs Pharma geführt habe. Welche rechtlichen Unsicherheiten genau gemeint sind, erklärt Synbiotic nicht. In Deutschland ist CBD bereit länger legal und wird hierzulande politisch und gesellschaftlich nicht so hinterfragt, wie es bei Cannabis mit THC häufig der Fall ist. Zumindest ist die erste Begründung nachvollziehbarer, schaut man nur auf die Menge an Unternehmen und Marken im CBD-Bereich, die dazu führen, dass auf dem Markt ein starker Konkurrenzdruck herrscht.
Vor diesem Hintergrund hat sich Synbiotic offenbar auch aus strategischen Gründen dazu entschieden, kein weiteres Geld in die beiden Töchter zu stecken. Im Rahmen der laufenden Restrukturierungsmaßnahmen des Konzerns habe man beschlossen, die finanzielle Unterstützung der Gesellschaften nicht fortzusetzen, um weitere Mittelabflüsse zu vermeiden und die verfügbaren Ressourcen stattdessen auf die strategischen Kernaktivitäten zu konzentrieren. Mit anderen Worten: Statt weiter Geld in ein Geschäftsfeld zu stecken, das zunehmend unter Druck steht, will sich Synbiotic offenbar stärker auf die Bereiche konzentrieren, die für sie noch rentabel sind.
Das Unternehmen selbst prüft derzeit, welche Auswirkungen die beabsichtigten Antragstellungen auf die eigene Vermögens-, Finanz- und Ertragslage haben werden. Über wesentliche weitere Entwicklungen wolle man im Einklang mit den gesetzlichen Anforderungen informieren, was auf die Ad-hoc-Publizitätspflichten als börsennotiertes Unternehmen hindeutet.
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Medizinisches Cannabis bleibt das Hauptgeschäft
Ein Blick auf die Umsatzverteilung von Synbiotic zeigt, warum der Konzern trotz der beiden Insolvenzen nicht grundsätzlich in seiner Existenz bedroht scheint. Zuletzt entfielen 60 Prozent des Umsatzes auf medizinisches Cannabis, während CBD- und Hanfprodukte mit jeweils 20 Prozent einen deutlich kleineren, aber dennoch relevanten Teil ausmachten. Genau in diesem kleineren Segment liegen nun aber die Probleme, die zur Insolvenz von Solidmind und Lean Labs Pharma geführt haben.
Ein Blick in die Zahlen zeigt zudem, wie stark sich die Erwartungen des Managements innerhalb kurzer Zeit verändert haben. Der Abschluss für das Geschäftsjahr 2025 liegt zwar noch nicht vor, zuletzt hatte das Management jedoch nur noch mit einem Umsatz von rund 17 Millionen Euro und einem Verlust von etwa 1,5 Millionen Euro gerechnet. Zuvor waren die Erwartungen deutlich optimistischer ausgefallen: Ursprünglich war von 30 Millionen Euro Umsatz und einem Gewinn von 1,7 Millionen Euro die Rede gewesen. Diese massive Korrektur nach unten verdeutlicht, wie schnell sich die wirtschaftliche Situation für die Hempamed, Plantoplus und Co. in den vergangenen Monaten verschlechtert hat.
Aktienkurs seit Jahren im freien Fall
Auch am Kapitalmarkt ist die schwierige Lage von Synbiotic längst kein Geheimnis mehr. Die Aktie des Unternehmens hat in den vergangenen zwei Jahren rund 90 Prozent an Wert verloren. Gemessen am Höchststand aus dem Jahr 2021 summiert sich der Verlust sogar auf rund 98 Prozent.
Wie es nun konkret mit Solidmind und Lean Labs Pharma weitergeht, bleibt abzuwarten. Sollten die Insolvenzanträge wie angekündigt beim Amtsgericht Münster eingereicht werden, dürfte sich zeigen, ob die Unternehmen fortgeführt, zerschlagen oder komplett vom Markt verschwinden werden. Für Synbiotic selbst wird es vor allem darauf ankommen, ob sich die Konzentration auf das medizinische Cannabis-Geschäft als tragfähige Strategie erweist, um langfristig wieder profitabel zu wirtschaften.





